Der Videobeweis in der Bundesliga eine rechtliche Würdigung

Mit Beginn der Saison 2017/2018 hat die Bundesliga den Videobeweis eingeführt. Nach anfänglichen technischen Problemen funktioniert die Technik mittlerweile einwandfrei. Rechtlich sind aber, gerade durch die umstrittenen Entscheidungen beim Spiel Borussia Dortmund gegen den 1. FC Köln vom 17. September, Fragen aufgekommen. „Der Videobeweis in der Bundesliga eine rechtliche Würdigung“ weiterlesen

Haftung auf Schadensersatz fürs Abbrennen von Pyrotechnik beim Fußballspiel

StadionDie Fußball-Bundesliga ist beliebt und tausende Fans strömen jedes in Stadion. Gerade in den wichtigen Spielen hoffen die Vereine, dass die Fans ihre Mannschaft lautstark unterstützen.Allerdings können die eigenen Anhänger nicht für nur positive Unterstützung sorgen.

In der Vergangenheit zeigte sich nämlich des Öfteren, dass einige Zuschauer sich über bestehende Ordnungen hinwegsetzten und Pyrotechnik im Stadion zündeten.

Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion wird vom DFB bestraft

Das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion ist nach den Statuten des DFB grundsätzlich verboten und führt dazu, dass Vereine, deren Anhänger Pyrotechnik zündeten, zumindest mit Geldstrafen vom DFB sanktioniert wurden.

Dabei stellte sich die Frage, ob die Vereine aufgrund dieser Geldstrafe von den verantwortlichen Zuschauern Schadensersatz verlangen können. Bislang bejahten die Gerichte einen solchen Schadensersatzanspruch. Allerdings gab es im letzten Jahr zwei Urteile, die einen Wandel in der Rechtsprechung einleiten könnten.

,,Fan‘‘ zündete ,,Böller‘‘ beim Auswärtsspiel seiner Mannschaft

Im Fall des LG Hannover (Urt. v. 26.05.2015, Az.: 2 O 289/14) verlangte der Verein Hannover 96 von einem seiner Anhänger Schadensersatz. Der Fan zündete im Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg einen Böller im Fanblock. Aufgrund des Vorfalls wurde der Verein vom Sportgericht des DFB nach einem entsprechenden Antrag des DFB-Kontrollausschusses zu einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro verurteilt. Mit dieser Geldstrafe wurde aber nicht nur dieser Vorfall, sondern auch ein anderer Vorfall mit Pyrotechnik aus einem anderen Auswärtsspiel des Vereins mitabgeurteilt.
Der Verein verklagte daraufhin seinen ,,Fan‘‘ auf Zahlung eines Schadensersatzes in Höhe von 20.000 Euro. Das Gericht wies aber die Klage ab.

Kein Vertrag zwischen Zuschauer und Verein

Das Gericht verneinte zunächst einen vertraglichen Anspruch des Vereins gegen seinen ,,Fan‘‘. Der ,,Fan‘‘ kaufte die Eintrittskarte nämlich beim gastgebenden, gegnerischen Verein, so dass zwischen dem Verein Hannover 96 und seinem Anhänger kein Besuchervertrag bestand.

Zwar können nach der Rechtsprechung auch nicht an einem Vertrag beteiligte Dritte in die Schutzwirkungen eines Vertrages einbezogen werden. Das setzt aber unter anderem voraus, dass der Dritte mit der Leistung einer Vertragspartei in Berührung kommt. Das war hier aber nicht der Fall, da der Verein lediglich nur seine Spieler bei diesem Spiel einsetzte. Diese wurden aber vom beklagten Zuschauer nicht verletzt.
Zudem folgte hier die Bestrafung durch das Sportgericht des DFB nicht wegen einer unmittelbaren Nähe des Anhängers zu den Rechtsgütern des Vereins, sondern aufgrund der eigenverantwortlichen Entscheidung des Vereins, sich den Statuten und damit der Sportgerichtsbarkeit des DFB zu unterwerfen. Der Verein hatte sich daher selbst der Gefahr von Vermögensschäden durch Urteile des Sportgerichts des DFB unterworfen und war daher insoweit nicht schutzbedürftig.

Vermögensschaden kann Verhalten des Fans nicht zugerechnet werden

Darüber hinaus verneinte das Gericht auch eine Schadensersatzhaftung des beklagten Fans wegen einer unerlaubten Handlung und eines Verstoßes gegen ein Schutzgesetz.
Eine solche Haftung setzt nämlich voraus, dass der durch die Geldstrafe entstandene Schaden beim Verein dem beklagten ,,Fan‘‘ zugerechnet werden kann. Eine solche Zurechnung liegt hier aber nicht vor. Der beklagte ,,Fan‘‘ wurde vom Verein nicht damit betraut, diesen vor der Geldstrafe zu bewahren. Zudem hatte sich der Verein den Statuten des DFB unterworfen und damit selbst die Ursache einer Geldstrafe geschaffen. Zwar hätte er nicht am Spielbetrieb der Fußball-Bundesliga teilnehmen können, wenn er es nicht gemacht hätte. Trotzdem hatte er die Bereitschaft, sich dennoch auf die Statuten des DFB einzulassen, so dass die Unterwerfung freiwillig erfolgte. Daher stellt die durch die Unterwerfung begründete Geldstrafe eine freiwillige Vermögenseinbuße und daher kein Schaden dar.

Dritte können durch Vertragsstrafe nicht verpflichtet werden

Aufgrund dieser Unterwerfung stellt zudem nach Ansicht der Richter die hier vom DFB-Sportgericht verhängte Geldstrafe eine Vertragsstrafe dar. Da aber durch das Versprechen einer Vertragsstrafe Dritte nicht gebunden werden können, ist es anerkannt, dass eine Vertragsstrafe nicht ohne weiteres an Dritte durchgereicht werden können.

Verein hätte sich gegen die Geldstrafe wehren müssen

Interessant ist aber vor allem, dass das Gericht eine Zurechnung deshalb verneinte, weil der Verein sich nicht gegen die verhängte Geldstrafe wehrte. Denn aus Sicht des Gerichts hätte das Urteil des DFB-Sportgerichts spätestens vor den Zivilgerichten keinen Bestand gehabt. Die Zivilgerichte überprüfen nämlich Entscheidungen im Rahmen der Sportgerichtsbarkeit insbesondere darauf, ob elementare rechtsstaatliche Normen eingehalten wurden.

Nach Ansicht der Kammer ist die Regelung in der DFB-Rechtsordnung, nach der Vereine für das Verhalten ihrer Anhänger verantwortlich sind, zu unbestimmt. Es ist nämlich nicht klar, an welche Anhaltspunkte angeknüpft wird, um eine Person als Anhänger eines Vereins einzuordnen. Für die Zuordnung könnte man schon an Sitzreihen im Stadion oder auch erst an wahrnehmbare ,,Publizitätsakte“ wie das Anfeuern oder Tragen von Fanartikeln anknüpfen. Aufgrund dieser vielen, unterschiedlichen Anknüpfungsmöglichkeiten ist es nicht eindeutig, wie hier die Anhängerschaft begründet wurde.

Strafzumessung des DFB-Sportgerichts erfüllt nicht rechtsstaatliche Grundsätze

Schließlich erfüllt auch die Strafzumessung des DFB-Sportgerichts nicht die rechtsstaatlichen Grundsätze. Sie richtet sich nämlich nicht nach dem Grad des Verschuldens des Klägers, sondern war allein auf einen generalpräventiven Ertrag, insbesondere der Bekämpfung von Missständen in den Fußballstadien, gerichtet. Da schon der Antrag des DFB-Kontrollausschusses die Empfehlung enthielt, für die Geldstrafe den Täter in Regress zu nehmen, hätten hier auch die persönlichen Verhältnisse des Täters berücksichtigt werden müssen. Das wurde aber nicht getan. Vor allem wurde nur die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Vereins berücksichtigt.
Zudem stellte hier die verhängte Geldstrafe eine Gesamtstrafe dar, mit der auch das Fehlverhalten der Anhänger während eines anderen Spiels abgeurteilt wurde. Es ist aber gerade treuwidrig, dass eine Geldstrafe auf einen Dritten abgewälzt werden soll, welche Vorgänge umfasst, an denen der Dritte nicht beteiligt war.

,,Fan‘‘ zündet ,,Böller‘‘ beim Heimspiel seines Vereins

In dieselbe Richtung geht auch das jüngste Urteil des OLG Kölns (Urt. v. 17.12.2015, Az.: 7 U 54/15). In diesem Verfahren machte der 1.FC Köln einen Schadensersatzanspruch in Höhe von 30.000 Euro gegen einen seiner Anhänger geltend. Dieser hatte in einem Heimspiel des Vereins einen Knallkörper gezündet. Das DFB-Sportgericht verurteilte den Verein ebenfalls, unter Berücksichtigung anderer ähnlicher Vorfälle aus anderen Spielen, zu einer Geldstrafe. Vor dem Landgericht wurde der Klage in vollem Umfang stattgegeben. Das OLG Köln hob das Urteil aber in der Berufungsinstanz auf.
Wer Dauerkarte leiht, tritt in die Vertragspflichten ein

Das Gericht verneinte dabei auch einen vertraglichen Anspruch des Vereins auf Schadensersatz. Anders als im vorherigen Fall ist hier aber durch das Vorzeigen der Dauerkarte und der Gewährung des Einlasses ein Zuschauervertrag zwischen den beiden Parteien entstanden. Auch wenn der Beklagte nicht Inhaber der Dauerkarte war, sondern diese ihm nur überlassen wurde, ist er durch den Besuch des Spiels in die Verhaltenspflichten aus dem Zuschauervertrag eingetreten. Indem er den Knallkörper zündete, hatte er, unabhängig von dem Verstoß gegen die Stadionordnung, seine Pflicht zur Rücksichtnahme auf das Interesse des Vereins an einem ungestörten Spielablauf verletzt.

Schaden beim Verein nicht durch Verhalten des Zuschauers verursacht

Doch wie schon das LG Hannover verneinten auch hier die Richter den sogenannten Zurechnungszusammenhang zwischen dem Verhalten des Beklagten und der Verhängung der Geldstrafe durch das DFB-Sportgericht. Der Schaden beim Verein ist also gerade nicht durch das Verhalten des Beklagten verursacht worden. Vielmehr realisierte sich auch hier das durch die Unterwerfung unter die Statuten des DFB geschaffene Risiko, dass der Verein für das Vergehen ihrer Anhänger während eines Spiels haftet. Diese Gefahr ist der Verein aber selbst, freiwillig eingegangen.
Außerdem war ungewiss, ob und in welcher Höhe das Verhalten des Beklagten überhaupt zu einem Vermögensschaden beim Verein führt, denn nicht jedes störende Verhalten eines Zuschauers führt zu einer Strafe durch das DFB-Sportgericht. Daneben stehen dem DFB-Sportgericht auch andere Sanktionsmöglichkeiten außer der Geldstrafe zur Verfügung.

Zuschauer musste Verein nicht vor Verbandsstrafe schützen

Der Beklagte hatte darüber hinaus auch keine Rücksichtnahmepflicht, den Verein vor Verbandsstrafen zu schützen. Ein durchschnittlicher Zuschauer kann nämlich nicht die komplexe Rechtslage nach den Regelungen des DFB erschließen. Die pauschalen Kenntnisse des Durchschnitts-Zuschauers rechtfertigen jedenfalls nicht die Weitergabe einer Verbandsstrafe.
Nach Ansicht der Kölner Richter wollte der Verein zudem das Risiko einer Strafe durch den DFB im Rahmen des Zuschauervertrages auch nicht auf den Zuschauer abwälzen. Dafür sprach, dass die Stadionordnung selbst eine Vertragsstrafe in Höhe von 1.000 Euro für das Abbrennen von Pyrotechnik vorsah. Diese hatte aber eigenständige Bedeutung und war nicht Teil des Zuschauervertrages.

Zuschauer handelte nicht sittenwidrig

Schließlich verneinte das Gericht auch Ansprüche des Vereins wegen unerlaubter Handlung oder sittenwidriger Schädigung.
Zwar hatte der Beklagte mit dem Zünden des Knallkörpers gegen das Sprengstoffgesetz verstoßen. Doch dieses Gesetz dient dazu, Gefahren für die körperliche Gesundheit und die öffentliche Sicherheit und Ordnung abzuwehren, nicht aber den Verein vor Strafen seitens des DFB zu schützen.
Für eine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung fehlte es hier an dem Willen des Beklagten, gerade durch das Zünden des Knallkörpers die Verhängung einer Geldstrafe durch das DFB-Sportgericht zu erreichen.

Fazit

Die Urteile sind aus vielerlei Hinsicht interessant und lesenswert. Zum einen wurden damit – entgegen der bisherigen Rechtsprechung – Ansprüche eines Vereins gegen einen Zuschauer auf Schadensersatz wegen einer Geldstrafe, die der Verein vom DFB erhalten hat, abgelehnt.
Vor allem das Urteil des LG Hannovers überrascht wegen seiner detaillierten Überprüfung des Urteils des DFB-Sportgerichts. Folgt man diesem Urteil, so müssen in Zukunft Vereine gegen Entscheidungen der Sportgerichtsbarkeit vorgehen, wenn diese den rechtsstaatlichen Grundsätzen nicht entsprechen und dem Verein sich dieser Verstoß im konkreten Fall auch aufdrängen muss.

Trotzdem ist es wünschenswert, wenn zur endgültiges Klärung der Rechtslage, der Bundesgerichtshofs in diesen Fällen eine Entscheidung trifft. Das OLG Köln ließ jedenfalls in seinem Verfahren die Revision zu, so dass es vielleicht schon in absehbarer Zukunft zu einer solchen Klärung kommt.

Für die Fans heißt aber trotzdem: Finger weg von Pyrotechnik im Stadion – auch wenn es toll aussieht! Selbst wenn der Verein einen nicht für die Verbandsstrafe in Regress nehmen kann, so muss man dennoch mit juristischen Konsequenzen rechnen, wenn man beim Abbrennen von Pyrotechnik andere Personen verletzt.

Der Aufsatz entstand in Zusammenarbeit von Daniel Klukas (FCB Fan) und Rechtsanwalt Tim Hoesman (BVB Fan).

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Die Zulässigkeit von Schiedsvereinbarung zugunsten des Internationalen Sportgerichtshofs

eislaufZur Zeit finden mit einigen Weltmeisterschaften die Saisonhöhepunkte in diversen Wintersportarten statt. Bislang war es üblich, dass die Sportler bei der Wettkampfanmeldung zu Weltmeisterschaften gleichzeitig auch eine Schiedsvereinbarung zugunsten des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) unterschrieben haben.

Eine solche Schiedsvereinbarung führt dazu, dass ausschließlich der CAS für Rechtsstreitigkeit, die aus der Teilnahme an der Weltmeisterschaft entstehen können, zwischen dem Sportler und dem Veranstalter – meist ein Internationaler Sportverband – zuständig ist. Weil dadurch die Sportler ihr Recht auf Zugang zu staatlichen Gerichten verlieren, ist die Zulässigkeit solcher Schiedsvereinbarung umstritten.

Causa Claudia Pechstein

In diesem Streit kam nun Bewegung durch das aufsehenerregende Urteil des OLG München (Urteil v. 15.01.2015, Az.: U 1110/14 Kart) in der Causa Claudia Pechstein. Die deutsche Eisschnellläuferin nahm 2009 an den von der Internationalen Eislaufunion (ISU) veranstalteten Weltmeisterschaften teil. Bei ihrer Wettkampfanmeldung unterschrieb sie eine Schiedsvereinbarung zugunsten des CAS.

Bei diesen Weltmeisterschaften wurde bei ihr ein erhöhter Wert an roten Blutkörperchen festgestellt. Für die ISU galt das Beleg für ein Dopingvergehen, weshalb sie ein Disziplinarverfahren gegen die Sportlerin einleitete, das mit dem Ausspruch einer Sperre von zwei Jahren für jeglichen Wettkampf- und Trainingsbetrieb durch die Disziplinarkommission der ISU endete. Gegen diese Entscheidung wehrte sich Claudia Pechstein ohne Erfolg vor dem CAS und auch Schweizer Bundesgerichten.

Klageabweisung in der 1.Instanz

Nunmehr verlangt die deutsche Sportlerin Schadensersatz und Schmerzensgeld von der ISU. In der ersten Instanz wurde ihre Klage abgewiesen. Das Landgericht wies auch ihre Klage auf Schadensersatz und Schmerzensgeld gegen die Deutsche-Eislauf Union ab. In der Berufung vor dem OLG ging sie aber nur gegen die Abweisung der Klage gegen die ISU vor.

Schiedseinrede bei wirksamer Schiedsvereinbarung

In der Berufungsverhandlung machte die ISU eine Schiedseinrede mit Verweis auf die Schiedsvereinbarung aus der Wettkampfanmeldung geltend. Eine Schiedseinrede hat grundsätzliche zur Folge, dass die Klage vom angerufenen Gericht als unzulässig abgewiesen wird. Voraussetzung ist aber, dass die Schiedsvereinbarung wirksam ist.

Anwendbarkeit deutschen Rechts

Die Schiedsvereinbarung muss sich insbesondere nach deutschem Recht wirksam sein. Zwar können Vertragsparteien – und damit auch Sportler und Sportverband – vereinbaren, dass für ihr Rechtsverhältnis das Recht eines anderen Staates gilt. Allerdings darf die Vereinbarung nicht gegen sogenannte zwingende Normen des deutschen Rechts verstoßen. Darunter versteht man solche Bestimmungen, die für sich beanspruchen, einen Sachverhalt ohne Rücksicht auf das vereinbarte Recht zu regeln, da sie nicht nur dem Ausgleich und Schutz der widerstreitenden Interessen der Vertragsparteien, sondern zumindest auch der Verfolgung von öffentlichen Gemeinwohlinteressen dienen.

Beachtung des Kartellrechts

Nach Ansicht der Münchner Richter muss sich die zwischen Claudia Pechstein und der ISU vereinbarte Schiedsvereinbarung zugunsten des CAS an deutschem Kartellrecht messen lassen. Es mag zunächst überraschend sein, dass deutsches Kartellrecht einschlägig ist. Allerdings sind die meisten Sportverbände marktbeherrschende Unternehmen im Sinne der kartellrechtlichen Vorschriften. Ihre wirtschaftliche Tätigkeit besteht in der Durchführung von nationalen bzw. internationalen Meisterschaften. Da in den meisten Sportarten die nationale oder internationale Meisterschaften meist nur von den jeweiligen Dachverbänden organisiert werden, gibt es für diese auch keine Konkurrenz, so dass sie eine Monopolstellung innehaben.

Verbot des Missbrauchs der Marktmacht

Nach deutschem Kartellrecht dürfen marktbeherrschende Unternehmen ihre Marktmacht nicht dahingehend missbrauchen, dass sie ihren Vertragsparteien Geschäftsbedingungen aufzwingen, die sie bei funktionierendem Wettbewerb nicht eingehen würden.

Schiedsvereinbarungen grundsätzlich nicht unzulässig

Die Vereinbarung einer Schiedsvereinbarung zwischen Sportler und Sportverband stellt aber nach Ansicht der Kammer für sich genommen noch keinen Missbrauch der Marktmacht dar. Vielmehr kann es den Interessen beider Seiten entsprechen, dass Streitigkeiten zwischen beiden Parteien nicht staatlichen Gerichten, sondern, gerade um unterschiedliche Entscheidungen bei den einzelnen nationalen Gerichten zu verhindern, einem einheitlichen Sportgericht zugewiesen werden.

strukturelles Übergewicht der Sportverbände beim CAS

Im vorliegenden Fall war aber das strukturelle Übergewicht der Sportverbände beim CAS problematisch. So wird die Liste, aus denen die Schiedsrichter für ein Verfahren beim CAS ausgewählt werden, vom Internationalen Rat für Sportgerichtsbarkeit (ICAS) bestimmt. 12 der 20 Mitglieder beim ICAS sind werden von internationalen und nationalen Sportverbänden ernannt. Da der ICAS mit einfacher Mehrheit entscheidet besitzen die Sportverbände schon bei der Aufstellung der Schiedsrichter-Liste ein Übergewicht vor allem gegenüber den Athleten. Diese werden beim ICAS nur durch 4 Mitglieder vertreten, die auch noch von den 12 Mitgliedern, die die Sportverbände ernennen, bestimmt werden.

Auch bei den benannten Schiedsrichter haben die Sportverbände ein Übergewicht. So werden drei Fünftel der vom ICAS gewählten Schiedsrichter von den Sportverbänden vorgeschlagen. Nur ein Fünftel der Schiedsrichter werden mit Blick auf die Wahrung der Interessen der Athleten gewählt.

Schiedsgericht muss Neutralität gewährleisten

Aufgrund dieses strukturellem Übergewicht der Sportverbände sah das OLG die Neutralität des CAS gefährdet. Bei funktionierendem Wettbewerb würde aber ein Athlet eine Schiedsvereinbarung nur zugunsten eines neutralen Schiedsgerichts, das eine gewisse Überparteilichkeit gewährleistet, unterschreiben. Die Schiedsvereinbarung zugunsten des CAS war daher im konkreten Fall wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung rechtswidrig.

Entscheidung über Schadensersatz vertagt

Somit konnte die ISU die Schiedseinrede hier nicht wirksam geltend machen, so dass die Klage nach Ansicht der Münchner Richter zulässig war. Interessant dürfte dabei auch der Aspekt der Zuständigkeit von deutschen Gerichten für Klagen gegen internationale Sportverbände, die ihren Sitz nicht Deutschland haben, sein (dazu ein späterer Beitrag).

Über das Bestehen einen Anspruchs auf Schadensersatz von Claudia Pechstein hat aber das Gericht noch nicht geurteilt. Es entschied aber, dass der Schiedsspruch des CAS wegen der Rechtswidrigkeit der Schiedsvereinbarung in diesem Fall nicht anerkennungsfähig ist, so dass es an diesem nicht gebunden ist.

Die noch ausstehende Entscheidung über einen bestehenden Schadensersatzanspruch wird daher mit Sicherheit auch sehr interessant.

Anmerkung Rechtsanwalt Hoesmann

Der Fall von Claudia Pechstein zeigt wie vielfältig das Sportrecht ist. Dabei sind unterschiedliche rechtliche Vorschriften zu beachten. So überrascht es auf den ersten Blick, dass hier das Kartellrecht einschlägig ist. Aber auch viele Normen des internationalen Rechts können eine Rolle spielen.

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Haftung beim Skifahren

paragraphFrischer Pulverschnee, kristallklare Luft und strahlender Sonnenschein – in den vergangenen Tagen hat das Wetter dazu beigetragen, dass im Endspurt der Skisaison nochmal alle Skifans voll auf ihre Kosten kommen. Zigtausende Wintersportler machen sich auf den Weg in die Berge. Viele Skifahrer unterschätzen aber das Risiko – das gesundheitliche und das juristische Risiko. „Haftung beim Skifahren“ weiterlesen

Rechtsanwältin Mannshardt neue Mitarbeiterin der Kanzlei Hoesmann

_DSC0302_filtered_webWir freuen uns, Ihnen mit Frau Kollegin Mannshardt eine Rechtsanwältin im Team der Kanzlei Hoesmann vorstellen zu dürfen.

Rechtsanwältin Mannshardt wird uns insbesondere im Sportrecht, Medienrecht und Internetrecht unterstützen.

Vor Ihrem Eintritt als Rechtsanwältin in unsere Kanzlei hat Rechtsanwältin Mannshardt unter anderem bei dem Fußballbundesligisten SV Werder Bremen gearbeitet und konnte hier wertvolle praktische Erfahrungen im Sportrecht sammeln.

Diese Erfahrungen wird Sie für unsere Mandanten in unserem neuen Referat für Sportrecht einbringen können.

Wir wünschen unserer neuen Kollegin einen guten Start und freuen uns auf eine vertrauensvolle und produktive Zusammenarbeit. Bei Rückfragen oder für weitere Informationen steht Ihnen Frau Mannshardt gerne zu Ihrer Verfügung. „Rechtsanwältin Mannshardt neue Mitarbeiterin der Kanzlei Hoesmann“ weiterlesen

Sportrecht – Keine Einigung zwischen Hertha BSC und Maik Franz

StadionAls Fußballprofi steht man nicht immer auf der Sonnenseite, sondern streitet sich, gerade wenn es mal sportlich nicht rund läuft, auch mal mit seinem Verein. Diese Streitigkeiten werden dabei auch immer häufiger vor Gericht ausgetragen.

Aktuell gibt es einen Streit zwischen den Maik Franz und Per Kluge mit Hertha BSC Berlin. Hintergrund ist, dass beide Profis Anfang Februar vom Verein angewiesen worden sind, bei der in der Regionalliga spielenden zweiten Mannschaft mitzutrainieren. Dagegen wehrten sich beide Spieler und klagten auf Wiederzulassung zum Training der Profis.

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